Göttingen – über Messergewalt und andere Grausamkeiten
Stellungnahme aus der BSW Basisgruppe Göttingen zum Messerangriff auf einen Göttinger Antifaschisten
Mit Betroffenheit haben wir von dem Messerangriff und den schweren Verletzungen eines 23-jährigen am Abend des 21. Juni 2026 im Göttinger Ostviertel erfahren. Unsere Gedanken und unser Mitgefühl sind bei dem Verletzten, seinen Angehörigen, Freundinnen und Freunden, und wir wünschen ihm eine schnelle und vollständige Genesung.
Zu den Hintergründen und zum Tathergang können und wollen wir uns nicht äußern – zu vieles ist noch völlig unklar und bleibt daher im Bereich der Spekulation.
Kein Geheimnis ist allerdings, dass die Tat in einem gesellschaftlichem Klima begangen wurde, im dem Gewalt und das Recht des vermeintlich Stärkeren immer mehr zur Normalität wird – im Alltag, auf der Straße genauso wie in der Politik und in internationalen Beziehungen.
Wir lehnen daher die Heuchelei und Krokodilstränen von Politiker/innen und Vertretern der etablierten Parteien von CDU bis Grünen und LINKEN ab, die versuchen, sich kommunalpolitisch mit Betroffenheitszirkus und den üblichen Phrasen vom „Nie wieder“ zu präsentieren und sich bei den betroffenen Menschen anzubiedern.
Die gleichen Leute bezeichnen sich nun als Antifaschisten, die kein Problem damit haben, ihre Solidarität mit der Ukraine durch „Slava Ukraini“ unter Social-Media-Postings auszudrücken – dem Ruf der Bandera-Faschisten in den 20er/30er Jahren des letzten Jahrhunderts. Dieselben Parteien tragen auf Landes- und Bundesebene die Kürzungsorgien im sozialen Bereich mit, akzeptieren, dass das Völkerrecht mit Füßen getreten wird und haben nichts dagegen, dass Milliarden in die Kriegsindustrie und Waffenexporte in Kriegsgebiete gepumpt werden, statt sie für die Versorgung der Bürgerinnen und Bürger auszugeben. Die Einhaltung der NATO-Rüstungsziele, zu denen sich die Bundesregierung verpflichtet hat, wird künftig die Hälfte (!) der Finanzmittel des Bundes in Anspruch nehmen. Und auch die LINKE hat das größte 500-Milliarden Rüstungs- und Kriegsvorbereitungsprogramm der Nachkriegsgeschichte, dass sich hinter dem freundlichen Namen „Sondervermögen für Infrastruktur und Klimaneutralität“ versteckt, mit ermöglicht.
Und während die Spannungen unter Menschen zunehmen – nicht zuletzt durch die wachsende Angst, in diesem Land keine Zukunft zu haben – legt die Regierung Merz das Messer weiter an den Hals des Sozialstaats. Psychotherapie? Wird radikal gekürzt und kaputtgemacht. Kultur und Bildung? Weg damit – durch die Dächer von Schulen und Universitäten darf es ruhig regnen. Musikschulen, Stadtteil- und Jugendzentren macht man gleich ganz dicht. Wohngeld und Unterhaltsvorauszahlung? Wird abgeschafft. Rente – bitte erst kurz vorm Exitus, und vorher alles Geld aus den Rentenkassen an die Aktienmärkte, zur großen Freude von Merz ehemaligem Arbeitgeber Blackrock, dem weltweit größten privaten Vermögensverwalter. Nichts wird vom Sozialstaat, wie wir ihn kennen, übrigbleiben, außer einer traurigen Fassade.
Während die Regierung Merz/Klingbeil eine soziale Grausamkeit nach der anderen begeht, weitere vorbereitet und rasiermessergleich den Zusammenhalt der Gesellschaft zerschneidet, wird auch in Göttingen und anderswo zugestochen. Wen wundert’s? Es ist doch alle Mal besser für die Regierenden, wenn die Menschen sich gegenseitig an die Gurgel gehen anstatt die wahren Messerstecher an ihrem üblen Werk zu hindern.