Baustellen-Chaos in Göttingen
Straßensperrungen, Umleitungen und kein Ende.
Wer sich aktuell durch Göttingen bewegt hat den Eindruck, dass diese Stadt nur noch aus Baustellen besteht. Egal, ob als Radfahrer, Autofahrerin oder Fussgänger - es nervt! Während Radfahrer noch die Möglichkeit haben, sich "irgendwie" - unter Umgehung sämtlicher Verkehrsregeln - durchzuschlängeln, müssen Autofahrer teils große Umwege in Kauf nehmen. Von der Merkelstraße aus Richtung Nikolausberger Weg oder Kreuzbergring? Vergiss es. Eigentlich ist das ein kurzer Weg. Nun führt die Umleitung über Neues Rathaus, Bürgerstraße und Bahnhof - ein mehrere Kilometer langer Umweg (die dadurch hervorgerufene zusätzliche Umweltbelastung zu berechnen wäre auch mal interesssant).
Als Ortskundige kommt man damit zähneknirschend noch halbwegs klar, aber als Fremder landet man oft genug im Nirvana oder ratlos vor der nächsten Absperrung. Kreuzungen und Hauptverkehrsadern sperrt die Stadt Göttingen am liebsten - zeitgleich.
Um Missverständnisse zu vermeiden: Natürlich sind notwendige Baumaßnahmen sínnvoll, und wenn etwas für die Infrastruktur getan wird (Fernwärme, Glasfaserausbau), dann ist das löblich. In Göttingen hat man aber den Eindruck, dass dies ohne Sinn und Verstand und vor allem ohne Koordination und verlässlichen Fertigstellungstermin erfolgt.
Erst wurde über Jahre das Kanalsystem saniert. Und kaum ist man damit halbwegs fertig, reisst man die Straßen erneut auf. Ist das eine sinnvolle, vorausschauende Planung? Apropos Planung: Man fragt sich auch, ob denn der ganze Baustellenablauf und die Fertigstellungstermine überhaupt noch irgendwo in der Verwaltung beplant und nachverfolgt werden, oder ob man dies den Baufirmen in Eigenregie überlässt. Anders lässt sich kaum erklären, dass die Achse Merkelstraße-Dahlmannstraße seit nunmehr 2 Jahren nicht mehr durchgängig befahrbar ist. Zwischenzeitlich war dann auch die Herzberger Landstraße dicht, und nun auch noch die komplette Kreuzung Friedländer Weg. Wie schön ruhig ist es nun rund um Albaniplatz und Theaterplatz...wie man da noch hinkommt bleibt das Geheimnis der Leute im Bauamt.
In den letzten Jahren hat die Stadt Göttingen immer damit geworben, die Baumaßnahmen in den Sommerferien durchzuführen, um die Belastungen gering zu halten. Aber erstens heisst Sommerferien nicht, dass die Stadt leer ist, und zweitens sieht es momentan auf den Baustellen genauso leer aus. Sind die Bauarbeiter etwa auch in den Sommerferien? Morgens um 10 Uhr ist derzeit auf der Baustelle in der Herzberger Landstraße/Friedländer Weg jedenfalls niemand anzutreffen, und nachmittags ist das in der Dahlmannstraße nicht anders. Schnelles Fertigstellen sieht jedenfalls anders aus. Da fragt man sich schon, ob die zuständigen Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen der Verwaltung im Blick haben, was auf den Baustellen passiert? Gibt es eine Oberbauleitung? Gibt es regelmäßige Baustellentermine und Baubsprechungen? Gibt es verbindliche Fertigstellungstermine und Vereinbarungen von Vertragsstrafen, wenn diese gerissen werden? Viele Fragen. Wenig Antworten. Und leider viel Ärger.
Göttingen - Stadt die Wissen schafft? Eher Göttingen - Stadt die Chaos schafft. Und eine Verwaltung, die entweder überfordert ist oder der das offenbar egal ist.